Fehler bei Nasenoperationen

Bild des Benutzers Dr. Karsten Sawatzki

Fehler bei Nasenoperationen

Die kosmetische Nasenkorrektur gehört zu den drei häufigsten chirurgischen Eingriffen in der Ästhetischen Chirurgie. Statistisch gesehen wird dabei jede dritte Nase nachkorrigiert! Nur die Bruststraffung bei Frauen liegt, was die Unzufriedenheit der Patienten anbetrifft, weiter vorne.

Wir sprechen bei der Nase aber nicht von 33% Komplikationen, sondern von Patienten, die mit dem Resultat nicht zufrieden sind. Bei allen chirurgischen Eingriffen gibt es ein Grundrisiko von medizinischen Komplikationen von 4%, die statistisch gesehen auftreten können, wie Blutung, Infektion, Narbe, Verletzung von Gefäßen oder/und Nerven. Die darüber hinaus gehenden Zahlen sind für einzelne Operationen spezifisch. Die Zahlen stammen von medizinischen Fachgesellschaften und den Haftpflichtversicherung der Ärzte.

Die hohe Zahl und damit immer häufiger auftretende Frage seitens der Patienten und aus den Medien, warum das so ist, haben mich veranlasst, diesen Beitrag zu verfassen. In dem Bemühen nicht zu fachspezifisch und allgemein verständlich zu schreiben, mag es dem einen vielleicht nicht weitreichend und dem anderen vielleicht doch zu speziell zu sein. Ich bitte beide Seiten um Verständnis und bin für konstruktive Beiträge offen.

Fehlerquelle Nasenkorrektur - schwierige OP

Die Nasenkorrektur ist eine der schwierigsten Operationen in der ästhetischen Chirurgie. Ziel ist es, dem Wunsch des Patienten mit der Machbarkeit so in Einklang mit Form und Funktion zu bringen, dass möglichst alle drei Ansprüche befriedigt werden. Obleich der Plastische Chirurg diesen Eingriff auch vornehmen kann ist jedoch der HNO Facharzt der ausgebildete Spezialist für die Nasen OP.

Um diese Schwierigkeit zu verstehen, ist es notwendig, sich den Grundlagen zu widmen, denn schon hier trennt sich auch bei den Ärzten die Spreu vom Weizen.

Historisch gesehen haben schon die alten Ägypter Nasen operiert. Vor dreitausend Jahren taten dies die Inder, um Menschen, die ihre Nase wegen einer Bestrafung abgehackt bekommen hatten, wieder ein würdiges Aussehen zu verleihen. Ob die ersten Operationen tatsächlich zuerst zu rekonstruktiven Zwecken oder aus ästhetischen Gründen durchgeführt wurden, bleibt ungeklärt.

Fakt ist, dass als einer der ersten der deutsche Chirurg Jacques Joseph in Berlin Anfang des 20. Jahrhunderts Kriegsversehrten Nasen und Gesichter auch unter Zuhilfenahme von Elfenbein wiederherstellte. Seine Erfolge waren so beeindruckend, dass viele Patienten zu ihm kamen, sich ihre Wunschnase richten zu lassen. Sogar berühmte amerikanische Kollegen, wie Tardy kamen zum „Nasen-Joseph“, um zu lernen. Aus der Wiederherstellungschirurgie wurde so die Ästhetische Chirurgie. In der HNO entstand später die Zusatzbezeichnung Plastische Operationen.

Voraussetzung ist es auch heute, sich intensiv damit zu befassen und die medizinischen Grundlagen der Form, der Funktion und deren untrennbares Zusammenwirken zu verstehen, um eine Nase nicht nur schön zu operieren, sondern sie auch ihre Funktion zu erhalten.

Fehlerquelle - Nasenform und Ihre Funktion

Jede Nase ist anders sagte mein geschätzter früherer Chef, Professor Mang. Dr. Steven Hoefflin aus Santa. Monica, USA, schrieb sogar ein Buch über die Ethnische Rhinoplastik und hatte auch Pamela Anderson Nase operiert. In meinen zahlreichen internationalen Reisen habe ich mir genau diese Vielfalt betrachtet. Denn das Formungs- und Heilungsverhalten ist aufgrund dieser ethnischen Unterschiede sehr groß.

Alleine, wenn wir in unsere Umfeld schauen, sehen wir Menschen mit normaler Hautbeschaffenheit der Nase oder mit dicker oder großporiger oder gefäßdurchzogener oder mit einer Kombination. Dazu kommen ethnischen Unterschiede bei z, b. Afroamerikaner, Indern oder Orientalen. Die Mannigfaltigkeit ist groß und das Verhalten in der Wundheilung, der Schrumpfung der Haut und die damit verbundenen Formbarkeit der Nase.

Ist Ihnen aufgefallen, dass wir noch gar nicht über die Nasenform an sich gesprochen haben?

Alleine die Kenntnis über die oben beschriebenen Faktoren führen zu unterschiedlichen Prognosen über die Machbarkeit und den Erfolg eines Eingriffs. Ebenso über Variationen der anzuwendenden Technik.

Die Kenntnis der Anatomie und ihre Bedeutung für Form und Funktion führen zur nächsten Fehlerquelle. Was passiert, wenn ich was mache? Bekommt der Patient hinterher auch Luft? Die Nase hat die Aufgabe zu riechen, Luft zu reinigen, zu filtern und zu erwärmen und stellt damit den ersten Filter des Atemsystems dar. Die Luft wird durch die inneren Strukturen in einer bestimmten Weise so verwirbelt, dass die beschriebene Funktion erfüllt werden kann. Auch dies muss bei einer Korrektur beachtet werden und gegebenenfalls mit bearbeitet werden. Auch die Anatomie weist Besonderheiten auf, wie z. B. sich die Asiatische Nase von der Europäischen (sog. Kaukasischen), der Persischen, Indianischen oder Afroamerikanischen unterscheidet.

Für ein dauerhaft schönes Resultat ist weiter wichtig zu wissen, dass die Nase sich im Laufe des Lebens permanent verändert. Wir selbst können feststellen, dass die Nase sich augenblicklich beim Lachen, Essen, Sprechen und anderen mimischen Aktionen des Gesichts verändert und somit eine Ruhigstellung kaum möglich ist. Diese wird bei anderen Wunden zur optimalen Ausheilung streng beachtet.

Die Kenntnis und Beherrschung dieser Grundlagen in medizinischer und chirurgischer Hinsicht sind Grundvoraussetzungen für einen Arzt, ein gutes Resultat abschätzen und erreichen zu können. Diese erwirbt er in der entsprechenden Facharztausbildung, die diese Fähigkeiten als Vorrausetzung zum Erwerb des Facharzttitels fordert.

Diese Kenntnisse müssen dem Patienten bei der Aufklärung auch so vermittelt werden, dass nicht die finanziellen Aspekt im Vordergrund stehen, sondern der Patient eine bestmögliche Vorstellung davon bekommt, was man mit einem Eingriff erreichen kann. Selbst bei Anwendung von Scherenschnitten oder der Computeranimation können sich diese oft nicht vorstellen, was tatsächlich bei einem Eingriff resultiert. Die abstrakte Vorstellungskraft teilweise auch des Arztes und der unterschiedliche Geschmack sind ein weitere Hürde bis es zur OP kommt.

Fehler Selbstüberschätzung

Verkaufen und Haben-Wollen sind menschliche Gründe, die den Wunsch nach eine OP beeinflussen. Die OP selbst birgt einige handwerkliche Gefahren, die vom ausführenden Arzt vermieden oder bei ihrem Auftreten beherrscht werden sollten. Selbstüberschätzung ist eine weitere Fehlerquelle. Das chirurgische Können basiert auf Talent und Übung. Um die vereinbarte Form zu erreichen kommt seriöse Kommunikation mit dem Patienten hinzu.

Die Techniken, die es gibt müssen nicht neu erfunden werden, auch wenn so manche Agenturen gerne unter werbeträchtigen Namen als Neuheiten anpreisen, was es schon lange gibt. Ich selbst meinte in jungen Jahren bestimmt vieles zu können, aber lernte, dass es in der Medizin sehr viel auf Erfahrung ankommt, um immer wieder neuen Situation ruhig entgegenzutreten.

Es gibt in der Medizin nichts, was es nicht gibt und darauf muss man gefasst sein! Die Beherrschung der notwendigen Techniken auch für den Fall für Komplikationen ist Voraussetzung, um die individuelle Wahl für den Patienten zu treffen. Das bedeutet auch einmal einen Fall nicht anzunehmen.

Zu den Basistechniken gehören die Korrektur der schiefen Nasenscheidewand und das Beherrschen der Komplikationen. Denn die Nasenscheidewand ist ein wichtiger anatomischer Bestandteil der Nase für Form (Höhe und Länge) als auch Funktion (Nasenluftpassage). Hinzu kommen andere Strukturen in der Nase, die ggf. mit verändert werden müssen, um die Funktion der Nase zu erhalten.

Ich möchte hier nun nicht auf einzelne Techniken, ihre Indikationen und ihre Vor-und Nachteile eingehen. Aber einen Nasenhöcker so ein bisschen abzuschleifen, ist schon für ein gutes Resultat kaum möglich und sollte misstrauisch stimmen. Vielmehr muss hierbei der knorpelige und knöcherne Anteil der Nase bearbeitet, d.h. letzterer auch gebrochen werden, das Nasenskelett entsprechend angepasst und zusammengefügt werden. Dabei können so viele Kleinigkeiten unstimmig sein, dass das Gesamtbild nicht passt.

Die so kleine Nasenspitze ist an sich das größte Problem und wird vom Laien oder unerfahrenen Kollegen völlig unterschätzt. Genau hier gibt es die meisten Angriffspunkte, die zu einem unschönen Resultat führen können. Ganze Kongresstage werden für das Thema der Nasenspitzenkorrektur verwendet.

„Mich stört nur die Spitze“ wird gerne geäußert. Was ist aber, wenn die zwar so geformt wird, wie gewünscht aber dann nicht zu der restlichen Nase passt, weil die angenommen am Rücken zu breit ist? Die Form der Nasenspitze kann die Nasenluftpassage nachhaltig beeinflussen, was sich dann wieder auf die Funktion auswirkt.

Fehlerquelle Nachsorge

Eine weitere Fehlerquelle ist die Nachsorge. Hier sind ebenso wie bei der Vorbereitung Verhaltensmaßregeln für den Patienten hilfreich, ein gutes Resultat zu erreichen. Die Amerikaner geben dazu ganze Broschüren heraus. Es ist klar, dass man mit der frisch gerichteten Nase nicht ins Volleyballtraining geht. Denkste… Nur, wenn das Verhalten im Anschluss angemessen ist, kann man davon ausgehen, dass das operativ erreichte Ergebnis auch in etwa so bleibt. Denn die Nase verändert sich innerhalb eines halben Jahres nach der OP und kann durch verschiedene äußere Faktoren auch negativ beeinflusst werden.

Die relativ hohe Unzufriedenheit kommt also von beiden Seiten, dem Arzt und dem Patient. Der Arzt ist nicht immer Schuld. Seine Aufgabe ist es, sich und die Wünsche des Patienten richtig einzuschätzen. Es ist nicht alles machbar! Der Patient sollte bei der Auswahl auf die tatsächliche Kompetenz achten. Gemeint ist, nicht der besten Werbung auch in den Medien, sondern der nachweisbaren Erfahrung des Arztes folgen. Wenn ich jahrelang in Nasenchirurgie ausgebildet wurde, beherrsche ich noch lange keine Handchirurgie auch wenn der Titel es vermuten lässt. Und Umgekehrt. Der medizinische Lebenslauf des Arztes gibt hier Aufschluss.

Missverständnisse entstehen gerne auch, wenn nicht der Arzt operiert, von dem man es annimmt. So klärt einer auf und der andere, den man im schlimmsten Fall gar nicht kennt macht den Eingriff, vielleicht auch noch ohne zuvor mit dem Patienten gesprochen zu haben.

Als Patient gibt es gerne Vorbilder in den Medien. Aber es passt eben nicht jede Nase in jedes Gesicht. Man stelle sich Brad Pitt mit der Nase von Thomas Gottschalk vor. Beides attraktive Männer, aber jeder so, wie er ist. Zu der Machbarkeit und Abstraktion gehört auch das Einsehen, dass die Nase nur eine kleine Anzahl von Eingriffen zulässt und nicht beliebig oft bearbeitet werden kann, ohne Gefahr zu laufen auszusehen, wie M. Jackson zuletzt. All diese Faktoren kommen zusammen, wenn man die Gründe für die Unzufriedenheit analysiert.

Ich hoffe, es ist in der immer noch kurzen Darstellung klar geworden, wie komplex das Thema Nase ist. Hier trifft besonders zu: Der Nasenchirurg sollte nicht nur Arzt und Handwerker, sondern auch Künstler und Psychologe sein.