Segelohren bei Kindern

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Segelohren bei Kindern

Segel-Ohren ist der allgemein bekannte, aber leider abwertende Begriff für abstehende Ohren. Besorgte Eltern wissen heute schon, dass dies zu psychischen Problemen führen kann, wenn andere Kinder "hänseln". Natürlich liegt der Gedanke einer Segelohrenoperationen bei Kindern - Apostasis otum nahe. Diese heute als Missbildung der Ohren gesehene Form ist die wohl bekannteste der Ohrmuschelfehlbildungen.

Unterteilung der Ohrmuschelfehlbildungen

Bei der Dysplasie °1 sind die meisten anatomischen Strukturen der Ohrmuschel vorhanden. Hierzu zählen u. a. abstehende Ohren (Apostasis otum), Tassenohr °I und Tassenohr °II. Dazu gehören auch Stahlsohr, Tassenohr, fehlende Helixausformung, Satyrohr, abstehende Ohrmuschel, eingerolltes Ohr (Ganzer Typ I)

  • Bei der Dysplasie °2 sind nur einige Strukturen der normalen Ohrmuschel vorhanden. Hierzu zählen u. a. Tassenohr °III und das Miniohr.

  • Bei der Dysplasie °3 sind normale Ohrmuschelstrukturen praktisch nicht vorhanden, es existieren lediglich Rudimente. Hierzu zählen u. a. Mikrotie °III, Anotie und die Dystopie.

In der Krankengeschichte findet sich oft eine familiäre Häufung und schädigende Einflüsse in der frühen Schwangerschaft erfragt. Bei familiärer Häufung empfiehlt sich die Vorstellung in der Humangenetik, um das Auftreten bei weiteren Kindern abschätzen zu können.

Wir konzentrieren uns hier nun nur auf die abstehenden Ohren. Trotzdem es einer HNO ärztlichen Untersuchung, um eventuelle Hörminderungen oder andere Erkrankung in diesem Gebiet auszuschließen.

Therapie abstehende Ohren bei Kindern

Bei Neugeborenen sollte man zunächst konservativ behandeln, da der Knorpel in den ersten Lebenswochen noch formbar ist und mit Silikonformern und sogenannten Traktoren schmerzfrei reguliert werden kann. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich als Kleinkind Pflaster angelegt bekam, um genau dies zu erreichen. Bei mir hat das geklappt! Die Behandlungsmethode mit dem EarWell-System erzielt den größten Erfolg, wenn sie zwischen dem fünften und siebten Lebenstag des Säuglings begonnen wird.

Je älter das Kind wird, umso steifer wird der Ohrknorpel. In der Regel wird dann ab dem 4. oder 5. Lebensjahr eine Operation zur Korrektur durchgeführt. Die Gründe liegen hier in der Regel im psychologischen Bereich, da durch Hänseleien anderer Kinder seelischer Schaden angerichtet wird, der lange anhält. Die Entscheidung treffen hier die Eltern.

Die hier durchzuführenden Operation, die Anlegeplastik oder Otopexie oder Anthelixplastik führten schon die alten Ägypter durch. (1,2) Hierzulande publiziert wurde sie erstmals von Jacques Joseph in Berlin vor über 100 Jahren.(3,4)

Ohrmuscheldysplasien höheren Grades

Liegen Ohrmuscheldysplasien höheren Grades vor, werden Verschiebeplastiken, der Einsatz von Transplantaten oder Implantaten wie körpereigenem Knorpel oder Kunststoff notwendig. Das Ziel ist eine möglichst natürliche Rekonstruktion, damit eine symmetrische Form zur Gegenseite entspricht. In der Regel werden beide Ohren korrigiert.(5) Der Eingriff wird bei Kindern in Vollnarkose durchgeführt. Über einen Schnitt auf der Rückseite der Ohrmuschel wird der Ohrknorpel dargestellt und je nach Bedarf und Können die entsprechende Technik angewendet.

Die einfachste Methode

Die einfachste beruht darauf, die Ohrmuschel am Schädel einfach anzunähen.

Methode nach Pitanguy

Naturgerechter ist es, die Ohrmuschel selbst zu durch Herauslösen eines Teiles des Knorpels und dessen Verlagerung nach vorne neu zu Formen und dann den Zugang hinten zu verschließen. ( Technik nach Pitanguy)

Methode nach Converse

Ähnlich verhält es sich bei der Technik nach Converse, bei der der Knorpel auf dem gleichen Wege aufgesucht wird und dann mit Fäden in die gewünschte Form eingerollt wird.

Methode nach Stenström

Die eleganteste Methode ist nach Stenström benannt, bei der der Knorpel ebenfalls auf dem- selben Weg wie oben aufgesucht und dann in einer genau geplanten Strecke begrenzt durchtrennt wird, um auf seine Vorderseite zu gelangen ohne die Haut zu verletzen. Dort wir dieser dann geritzt. Der Knorpel biegt sich dann leicht nach hinten und wird mit Fäden von hinten spannungsfrei vernäht.

Allgemein für alle Methoden

In allen Fällen wird das Ohr in einen Salbenverband vorsichtig eingepackt und unter Verbandswatte mit einem leichten Zinkleimverband, der aushärtet, für 10 Tage versehen.

Anschließend sollte noch für circa 4 Wochen nachts ein Stirnband getragen werden, damit man im Schlaf das neue Ohr nicht abknickt. Der Eingriff ist dann in der Folge nicht schmerzhaft und heilt meist so aus, dass man später keine Spuren mehr sieht.
 

1http://www.spiegel.de/einestages/anfaenge-der-schoenheitschirurgie-a-948...

2http://www.sueddeutsche.de/leben/schoenheitsideal-im-wandel-die-verheissung-von-glueck-1.1257395

3 aesthetische-rhinoplastik-berlin.de/gesch/geschichte.html

4 de.wikipedia.org/wiki/Jacques_Joseph

5  Alexander Berghaus: Implantate für die rekonstruktive Chirurgie der Nase und des Ohres. In: Laryngo-Rhino-Otologie. 86, 2007, ISSN 0340-1588, S. 67–76, doi:10.1055/s-2007-966301.